Dominik, foast mit mir an TET?
Ja, klar fahre ich mit Dir den Trans Euro Trail Slowenien! Bin ja schon halbwegs erfahren, dachte ich. Hab ja schon den norwegischen, schwedischen, finnischen und dänischen TET teilweise bereist - was soll schon schief gehen?
Der TET ist ein Geflecht an Wegen, das Motorradfahrer möglichst off-road von A nach B bringen soll. Schwierigkeit irgendwas zwischen Autobahn und Hardenduro.
Off-road-Reifen auf die fette Berta und los geht es Richtung Süden. Das Wetter ist traumhaft. Erster Halt in Slowenien, in Kranjska Gora. Aufgeregt bin ich schon ein bisschen. Auf YouTube habe ich gesehen, dass da dann doch einige echt harte Passagen vor uns liegen werden.
Am nächsten Tag starten wir früh. Die ersten Kehren, es hat 7°, Schnee liegt neben uns. Der Zweizylinder bollert unter mir. Die alten Militärstrassen, die wir anfangs befahren, dienten dem Militär im 1. Weltkrieg. Überall Bunker, Schützengräben und alte, verfallene Kasernen. Weiter geht es durch traumhafte Dörfer, wenn wir nicht grade irgendwo auf den Bergen unterwegs sind, gefühlt ganz weit weg von der Zivilisation. Türkisblaue Seen und Flüsse. Überall diese schönen kleinen Kirchen.
Die ersten Schotterwege zum Warmwerden. Plötzlich das alte Wehr, dass ich von zahlreichen Videos schon kenne. Kurze Pause. Das Wetter perfekt, nicht eine Wolke am Himmel. Das Thermometer klettert langsam in Richtung 30°. Traumhaft, in meiner Winterkombi. Staub setzt die Maschine und mich zu. Auf der Straße versucht eine Schlange panisch vor uns rüber zu kommen.
Dann kommen auch schon die Schlüsselstellen. Es geht steil bergauf, über Felsen und Geröll. Natürlich sieht auf der Kamera dann alles flach aus. Auch die Schlammgruben sehen eher niedlich aus. In Realität waren sie dann doch manchmal eher furchteinflössend. Egal. Gashahn ziehen, gib ihm und durch. Ich glaube nicht, dass hier viele mit einer 250kg Maschine rauffahren - aber was soll’s. Single Trails durch den Wald. Tiefe Spurrillen. Rechts Abhänge. Andauernd einen Sturz vor Augen. Na Servus.
2. Halt im wunderschönen Triest.
Am Morgen geht es früh los. Zurück in die Berge Sloweniens. Mit einem kurzen Blick auf die Triester Bucht verabschieden wir uns ins Landesinnere. Es geht neben der Autobahn hin und her. Plötzlich ist sie da. Die Stelle, wo so gut wie jeder scheitert. Vor mir tut sich eine Steigung auf, die selbst zu Fuß schon schwierig zu erklimmen wäre. Geröll, Fells und Sand. Und irgendwie müssen wir da jetzt rauf. Ich gebe Gas, suche mir die linke Linie aus und - der Vorderreifen springt hoch, ich verliere die Maschine und bumm - da liegt sie - ein Meter vorm Ziel - mitten im Abhang. Ohjeh… Zu zweit können wir die Twin dann beim zweiten Versuch aus ihrer misslichen Lage befreien. Ein leichteres Krad wäre hier schon im Vorteil. Aber keine Schande, hier liegen viele. Später geht es dann steil bergab, nur Zentimeterweise auf der Bremse rutschend. So steil, dass man meint, man würde vorn über stürzen. Dann wieder Abschnitte, wo der Weg nur ca einen Meter breit ist, übersäht mit Wurzeln, Ästen und Geröll. Der Abgrund daneben ist Dutzende Meter tief. Das worst case Szenario, die Maschine irgendwo da unten, ist immer im Hinterkopf. Am Ende des Tages dann noch eine harmlose Wasserdurchfahrt. Trotzdem rutscht mir der Arsch weg. Aber immerhin falle ich nicht.
Mittlerweile sehen wir und unsere Maschinen so aus, wie ich es als Kind als „cool“ bezeichnet hätte. Voller Staub, Matsch und allerlei Ungeziefer auf der Scheibe. Die Helme und Kombis sind vor Anstrengung nass geschwitzt. (Gut, ein bisschen Angstschweiß ist bei mir auch dabei). Unfassbar, wie lange man im Gelände für ein paar Meter brauchen kann.
Der letzte Tag verläuft dann etwas schneller in der Fahrt. So geht es mit 60-80kmh über Forststrassen. Manchmal auch deutlich langsamer. Die ersten Warnschilder machen auf eine Bärenpopulation aufmerksam. Statt eines Bären, jagt uns dann doch nur ein kleiner, flauschiger Schosshund. Später steht dann plötzlich eine Gemse nur wenige Meter vor mir.
Irgendwann, nach knapp 760km Trans Euro Trail in drei Tagen, erreichen wir dann die Grenze zu Kroatien. Schnell noch ein Foto machen, da eilt schon die Grenzerin raus und erklärt uns eindringlich, dass wir hier nicht stehen und Fotos machen können. Wie so oft, macht der Ton die Musik - der Auftritt hätte wohl nicht sein müssen. Ansonsten waren die Slowenen aber stets freundliche und gute Gastgeber. Motorräder fallen dort nicht negativ auf, sind meistens sogar so laut, dass die Deutsche Polizei gleich mal eine Sicherstellung durchführen würde. Aber mei, außerhalb unseres Kleinods sind die Leute nicht ganz so spiessig und lassen einem etwas mehr Luft zum atmen…
Mit An- und Abreise haben wir über 1200km zurückgelegt. Habe ich gewusst, was mich erwarten würde? Nein. Würde ich es nochmal machen? Vielleicht. War es ein Abenteuer? Definitiv!