Regenmacher
Tag 17
22,5km
Insgesamt: 431,1km
Gestern Abend erreiche ich meine Unterkunft mit den ersten Regentropfen. Die Nacht in dem Mittelalterdorf war wirklich einmalig. Die Betten sind mit Fell ausgelegt und für mich viel zu kurz. Nicht mal diagonal kann ich mich wirklich ausstrecken. Aber egal, ich schlafe wie ein Stein. Nachts fliegen immer wieder Schwalben in mein Zimmer rein, auf der Suche nach einem Nistplatz. Der Regen tröpfelt gegen die Wand. Der Wind pfeift - Sturm. Schön, heute nicht im Zelt schlafen zu müssen.
Die Etappe ist sehr schön zu gehen. Anfangs muss man extrem Acht geben um nicht auf den nassen Steinen und Wurzeln auszurutschen. So schlängelt sich der Weg neben Bahngleisen immer weiter spektakulär nach oben. Die Schuhe sind voller Schlamm. Im Tal fließt der Lagen wild in die Tiefe. Irgendwie wie in Kanada, denke ich mir. Vorbei an einem riesigen Wasserfall. Endlich Wasser. Endlich kommt das mir bekannte Norwegen zum Vorschein - weg von der Wüstenlandschaft.
Insgesamt 1100 Höhenmeter laufe ich so nach oben. 800 wieder runter. Links und rechts erkennt man jetzt genau die Baumgrenze auf den Bergen, darüber: nichts. Und genau dorthin werde ich morgen emporsteigen. Die wohl schönsten Tage liegen jetzt zum Greifen nahe. Hoffentlich bleibt das Wetter stabil.
Abends komme ich zu einer Pilgerherberge namens Engelshus. Der Name ist Programm. Ein altes Ehepaar beglückt mich sofort mit frisch zubereiteten Waffeln und Kaffee. Und verlangen nicht mal was dafür. Der Ausblick schweift in die Ferne, die Berge sind vom Sonnenuntergang hell erleuchtet. Geht es eigentlich noch besser?