Lost places!
Tag 24
17,1km
Insgesamt: 580,7km
Es regnet die ganze Nacht. Mein Zelt macht zuverlässig genau das, weswegen ich es gekauft habe. Es schützt mich vor den Elementen. Vorausschauend starte ich heute aber lieber gleich mit den Regenklamotten angezogen.
Minuten später zahlt sich diese Voraussicht aus. Es regnet. Nach nur wenigen hundert Metern zweigt ein Weg von der Asphaltstraße in den Wald ab. Alles ist aufgeweicht und schlammig. Im Gegensatz zu den ersten zwei Wochen mangelt es hier nicht an Wasser. Die Flüsse gehen über die Ufer, manchmal steht das kalte Nass knöchelhoch auf den Wegen. Zum Springen zu weit, also mittendurch. Der Wald wird immer verwegener, immer ursprünglicher. So geht es langsam der alten Königsstrasse folgend den Berg hinauf. Hie und da eine Lichtung. Sonnenlicht fällt in gleißenden Strahlen durch die Bäume. Nebel steigt auf. Dann wieder Regen. Das Wetter ist heute sehr unentschlossen und wechselt alle fünf Minuten vom flüssigen in den gasförmigen Zustand und umgekehrt.
Links und rechts neben dem Weg weisen Schilder immer wieder auf alte aufgegeben Höfe aus dem 18. oder 19. Jahrhundert hin. Oft kann man zumindest die Grundmauern noch gut erkennen. Ständen aber keine Schilder davor, würde man nichtsahnend an diesen Plätzen vorbeilaufen. Selbst erst spät aufgegebene Höfe mit Getreidefeldern sind schon lange nicht mehr als solche zu erkennen. Der Wald hat sich das ihm entrissene Gebiet zurückgeholt. Neben den schon lange verlassenen Gehöften findet man auch immer wieder erst kürzlich Verlassene. Dort stehen dann das Bauernhaus, Zuhaus, Stallungen und dergleichen in einem zugewachsenen Feld. Unbewohnt, aber mit intakten Fenstern mit Gardinen. Dazwischen Traktoren, Autos und allerlei Gerätschaften. Diese morbiden Anblicke faszinieren mich außerordentlich. Bieten sie doch genug Stoff für tolle Bilder. Die Gedanken, warum die Orte verlassen wurden, wer dort lebte und dergleichen begleiten mich. Oft steht um die nächste Ecke eine absolute Automobile Rarität, eingewachsen und bemoost. Wie ein Passat B1 Kombi. Bilder, die man als Autoverrückter nicht vergisst.
Alles in allem ein sehr romantischer Weg, ohne Teer, dafür mit viel Abwechslung und tollen Momenten. Geht doch!