This is the end, beautiful friend!

Tag 34-48

Oslo-Hirtshals-Sylt-Salzburg

2038km

Insgesamt: 11544km

Mit Essen, Bier und Whiskey werde ich von lieben Freunden aus Österreich in Oslo empfangen. Ich darf auf deren Couch nächtigen. Nach über einem Monat ist das dann doch wieder eine willkommene Abwechslung, auch wenn mir das im Zelt schlafen dieses Jahr weniger Probleme bereitet hat als letztes Jahr. Welch Wohltat, welch Luxus ist es doch, eine dicke gefütterte Unterlage zum Schlafen zu haben.

Wir gehen Eierschwammerl suchen. Dafür fahren wir in den Süden von Oslo in ein Waldgebiet. Dazwischen immer wieder die schönen roten Häuser. Die reifen Weizenfelder. Die Sonne scheint. Wir fahren ein paar Meter einen schlammigen Weg in einen Wald hinein. Hier fühlt sich der Jimny wohl. Im saftigen Grün sieht man ihn kaum noch. Ab jetzt geht es zu Fuß weiter. Nach nur wenigen Metern sind wir in einer eigenen Welt, weit weg von draußen. Die Sonne scheint durch die Bäume auf das Moos. Hier und da stehen die ersten Pilze. Eine Märchenwelt. Diese Ruhe. Stundenlang verlieren wir uns in der meditativen Suche nach essbaren Pilzen. Die Augen drauf getrimmt, die gelben Eierschwammerl vom Rest zu unterscheiden. Ich fühle mich eins mit dem Wald - aus dem Troll wird ein Waldschrat. Am Ende des Tages können wir stolze 4kg Eierschwammerl als Beute mit nach Hause bringen. Wer gern für ein paar Minuten in diese Stimmung eintauchen möchte, dem empfehle ich das kürzlich hier gepostete Video.

Auch Oslo-Stadt schaue ich mir wieder gerne an. All die Leute. Die Zivilisation. Ein wahrer Sozialporno ergießt sich über mich und ich spanne unauffällig. Ich gehe an all den beeindruckenden Botschaften mit ihren fetten Karren vorbei, auch an der Österreichischen - eh klar. All die pittoresken Gebäude aus der Gründerzeit. Weiter geht es in die neu gebauten Viertel. Hier wohnen aber nicht die harten Frauen und Männer aus dem Norden, die für den Reichtum dieses Landes auf den Ölplattformen und Fischkuttern schuften. Hier wohnt eine boboesque, besser gestellte, junge und angesagte Stadtbevölkerung, die sich in jeder Großstadt der Welt wohlfühlen kann, ist sie doch austauschbar. Aber es passt hierher und hat dann doch einen eigenen Charme. Und damit die Jugend mit all den städtischen (Un)annehmlichkeiten zurechtkommt, riecht man in den Parks oftmals das gerauchte Gras , das wohl zur Beruhigung der Nerven benötigt wird. Zusammengefasst: Die Stadt ist eine Art Kunstprojekt. Spannend untertags, atemberaubend am Abend und in der Nacht. All die Details zu erfassen ist schier unmöglich, bietet aber Potential für erneute Besuche. Jedes Gebäude möchte mit den anderen wettstreiten, welches das Schönste ist. Alt gegen Neu, alle gegen alle. In all diesem Durcheinander liegt die Schönheit im Detail, wie auch im Ganzen. Vor all dieser Pracht tanzt die Jugend auf den Straßen ihre TikTok-Videos. Die Sonne geht unter und lässt die Häuserspitzen in einem goldenen Licht erstrahlen. Gänsehaut.

Bei einem erneuten Pilzsuchen gehen wir mehr oder weniger leer aus. Macht nichts, es gibt noch genug. Ein kleines Andenken in Form einer Zecke nehme ich mir dann aber doch noch aus dem Wald mit in die Stadt. Was auffällt, ist der tägliche Verkehr zur Stoßzeit und der daraus folgende Verkehrsinfarkt. In der Früh und am Abend geht nichts mehr. So brauche ich einmal eine gute halbe Stunde für 200 Meter. Aber in Norwegen macht auch das mehr Spass als daheim.

Beeindruckend auch die Sportlichkeit dieses Landes. Die Männer joggen oben ohne, die Frauen in figurbetonter Kleidung. Sie können es sich auch leisten und zeigen es auch. Die Radfahrer fahren mit einem Höllentempo. Wird Zeit mal wieder was zu machen, denke ich mir.

Erneut zieht es mich in Richtung Hafen. Von der Oper hat man einen großzügigen 360° Ausblick auf die Stadt. Unten hat die Deutschland festgemacht. Irgendwo hab ich das „Traumschiff“ schon mal gesehen… Das die letzten Jahre gebaute Viertel hinter mir scheint jetzt fertig zu sein. Schon schön, wenn man hier direkt am Wasser wohnen kann. Der botanische Garten, das Schloss, der Vigelandpark - um große Attraktionen ist Oslo definitiv nicht verlegen. Der Holmenkollen mit seiner imposanten Skisprungschanze ist weithin sichtbar. Auffällig ist, wie ruhig die Kinder hier sind. Wenig Geschrei, auch die Erwachsenen sind beherrscht. Selbst in dieser Großstadt wird wenig gehupt, wenn auch der Verkehr etwas dynamischer geworden ist. Der Abstand von Auto zu Auto wird definitiv freier ausgelegt als im Norden. Hält man sich wie ich an die ausgeschriebenen 50km/h, wird man auch gerne mal mit Lichthupe weggeblinkt. Egal, nochmal zahle ich keine 3000 NOK!

Man merkt aber erneut, mit gegenseitigem Respekt geht verdammt viel in dieser Welt. Und diesen Umgang miteinander genieße ich sehr.

Nach vielen Tagen mit bester Bewirtung durch meine großzügigen Gastgeber (herzlichen Dank nochmal dafür!) muss aber auch dieser Aufenthalt ein Ende finden. So verlasse ich schweren Herzens dieses mir sehr bekannt gewordene Fleckchen Erde. Vorher gibt es noch einen von der Gastgeberin selbstgemachten Apfelkuchen mit einem Jimny drauf. Ein letztes Mal Schwimmen am Morgen, dann Sachen packen, den dreckigen Jimny in der Garage beladen und mich auf den Weg nach Südwesten machen - Ziel die Fähre nach Dänemark in Larvik. Nach kurzer Wartezeit verlasse ich ungern den norwegischen Boden. Die Stimmung ist bedrückt, heißt es jetzt ja wieder warten auf nächstes Mal. Die Überfahrt verläuft butterweich - ich muss an meine Reisebegleitung und die Überfahrt vor einem Monat denken, das hätte ihnen wohl jetzt besser gefallen. In stockdunkler Nacht komme ich in Hirtshals an und schlage mein Zelt vermutlich ein letztes Mal in dieser Saison auf einem Campingplatz auf - Wildzelten ist hier nicht mehr erlaubt.

Am nächsten Tag geht es noch fürs Wochenende auf die Insel Sylt. Ich freue mich, meine Eltern wiederzusehen. Aber die Zeit vergeht viel zu schnell und es muss wieder heimwärts gehen. Der Alltag beginnt wieder.

Irgendwo habe ich mich in der Eile in einem der vorherigen Beiträge wohl bei den Kilometerangaben verrechnet oder vertippt. Insgesamt sind es dann mit 11544km doch ein paar mehr geworden. Der Jimny und ich haben das aber gut weggesteckt. Ein Langstreckenauto wird er wohl nicht mehr werden, das habe ich spätestens auf der langen Etappe zurück durch Deutschland gemerkt. Muss er aber auch gar nicht. Dafür hat er alles andere wunderbar erledigt. Geplant war ja, ihn nur für die Reise zu behalten. Wie es aussieht, wird die alte Schüssel aber einen längeren Platz im Fuhrpark erhalten - zu sympathisch ist er mir geworden. Selten habe ich mich aber so sehr auf eine Autowäsche und den Staubsauger gefreut. Ein Reiseabschlussfoto daheim muss dann doch noch sein. Bei 28° zwinge ich mich in den Norwegerpulli - es muss ja authentisch wirken.

Was bleibt, ist der Blick zurück, auf all das Erlebte, auf all die Erinnerungen.

Am Ende gilt es folgenden Damen und Herren aus den unterschiedlichsten Gründen Danke zu sagen: Volker, Antonia, Wilma und Stephan, Victoria und Dominic, Christina und Richard.

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So ein Pøbel!

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Pilze.